Wenn die Zeit stehen bleibt
Wenn die Zeit stehen bleibt – Uns allen ist die Zeit bestimmt zu gehen, allein den Zeitpunkt wissen wir nicht. Wenn es soweit ist, sorgt in der Regel ein eingespielter Ablauf wie ein Uhrwerk dafür, dass sowohl die Verstorbenen wie auch deren Hinterlassenschaften aus den Häusern entfernt werden, damit in einer Art Kreislauf des Werden und Vergehen neues Leben in die Häuser einziehen kann. Dieser Mechanismus ist in den urbanen Zentren besonders effizient, scheint aber in ländlichen Gegenden an Kraft einzubüssen. Hier finden sich noch vergessene Häuser, in denen die Zeit wie stehen geblieben wirkt. Hinter verwitterten Fensterläden und verblichenen Fassaden sind noch Möbel, Kleider, Nippsachen und Erinnerungsfotos aus längst vergangenen Zeiten erhalten, als wären die Menschen erst gestern weggegangen. Auffallend viele Devotionalien sind Zeugnis der religiösen Andacht und Frömmigkeit der letzten Bewohner. Die Kreuze und Heiligenfiguren scheinen noch immer ihre schützende Hand über die verlassenen Häuser zu halten. Vielleicht bewahren sie die Seelen der Verstorbenen oder zumindest die Erinnerungen an sie. Diese Glaubenssymbole sind mehr als nur materielle Objekte; sie sind Träger einer Geschichte, von Hoffnungen und Ängsten, die im Laufe der Jahre in die Wand dieses Hauses eingewoben wurden. Die Geschichte von Mathilde und Paul.